Autogrammjäger Carsten Werner mit einem signierten Bild am roten Teppich
Autogrammjäger Carsten Werner hat am roten Teppich beim Filmfest Hamburg eine Signatur von Mark Waschke ergattert. Foto: Sandra Jütte

Beim Filmfest tummeln sich nicht nur Filmfans und Fotografen am roten Teppich, auch Autogrammjäger warten bei Premieren auf die großen Stars. Im Interview erzählt Carsten Werner von seinem Hobby und wie man sich vorbereitet.

Pünktlich zur Premiere des Fernsehfilms „Eine fremde Tochter“ fallen feine Tropfen vom Himmel herab. Nur ein Fotograf steht am Rande des roten Teppichs vor dem Cinemaxx am Dammtor, um die Hauptdarsteller Mark Waschke und Hannah Schiller abzulichten. Auf der gegenüberliegenden Seite der Absperrung ist es etwas voller: Eine Handvoll Autogrammjäger*innen haben ihre Mappen gezückt. Jede Limousine, die sich nähert, wird erwartungsfroh beobachtet. Auch Carsten Werner wartet dort. Eine Sportjacke schützt ihn vor dem Herbstwind. Seit 1986 sammelt der 48-Jährige die Unterschriften von Prominenten. Auch bei diesem Hamburger Filmfest steht er nicht zum ersten Mal am roten Teppich. Heute wünscht sich der Hamburger ein Autogramm von Schauspieler Mark Waschke.

Herr Werner, sammeln sie hier von allen Prominenten Autogramme?

Werner: Nein, ich suche mir die Leute schon aus, die mir persönlich gefallen. Ich sammle hauptsächlich Schauspieler. Heute hat mich zum Beispiel Mark Waschke interessiert und in den vergangenen Tagen waren schon Suzanne von Borsody dabei und Nina Hoss. Also schon anspruchsvolles, deutsches Kino oder Fernsehen oder eben internationale Bekanntheiten. Manche Kollegen sammeln auch nur Selfies. Die interessieren mich wieder nicht.

„Mein Repertoire fängt in den 1930er-Jahren an“

Wie groß ist ihre Sammlung?

Werner: Die ist schon recht groß. Ich besitze so 6000 bis 7000 Autogramme, hauptsächlich aus dem Bereich Kino. Mein Repertoire fängt in den 1930er-Jahren an und reicht bis heute. Hauptsächlich habe ich Signaturen aus den 30er-, 40er-, 50er- und 60er-Jahren, also aus der Zeit des großen Kinos. Und in den vergangenen Jahren fängt das Kino ja wieder an, ins Rollen zu kommen und daher ist es auch wieder interessanter für mich.

Verkaufen Sie die Autogramme auch?

Werner: Nein, ich sammle hauptsächlich für mich selbst. Ich bringe höchstens mal einem Freund eins mit. Wir sammeln immer mal füreinander, für unsere Alben. Die Autogramme kommen bei mir in so ein richtig schönes Album, auf schwarzem Karton mit weißem Rand. Das ist einfach mein Hobby.

Gibt es besondere Exemplare?

Werner: Es gibt so einige. Ich habe etwa ein Foto von den Golden Girls, der Serie. Darauf haben alle drei Darstellerinnen unterschrieben. Das ist schon besonders. Und was mir sehr am Herzen liegt, ist ein Autogramm vom Regisseur Billy Wilder. Den habe ich mal angeschrieben, in New York, und dann habe ich wirklich einen ganz tollen Brief und ein signiertes Bild zurückbekommen. Marlene Dietrich habe ich auch. Bei ihr habe ich vor vielen Jahren vor dem Haus gesessen und gewartet.

„Das Filmfest ist ideal, um den Stars etwas näher zu kommen“

Reisen Sie öfters an die Orte, an denen die Schauspieler leben oder verknüpfen einen Urlaub damit?

Werner: Also, ich fahre nicht in den Urlaub, um einen Star zu treffen. Aber es ist schön, wenn sich das ergibt. In New York oder Paris habe ich beispielsweise mal jemanden aufgesucht, weil ich gerade da war. Ich kenne aber Autogrammjäger, die das machen. Ich bin hauptsächlich in Hamburg oder Berlin unterwegs. Gerade das Filmfest Hamburg ist dafür ideal, weil man hier eine gute Möglichkeit am roten Teppich hat, den Stars etwas näher zu kommen.

Wer fehlt Ihnen noch in der Sammlung?

Werner: George Clooney von den internationalen Schauspielern wäre natürlich ganz toll. Oder Bette Midler. An die deutschen Prominenten kommt man ja zum Glück gut ran. Iris Berben habe ich gerade in Berlin getroffen.

Sie haben auch eine Mappe mit Fotos dabei. Wie bereitet man sich als Autogrammjäger auf so ein Event hier vor?

Werner: Ich suche mir vorab schöne Bilder ohne Copyright heraus, dann werden die noch bearbeitet, zum Beispiel ein Rahmen drumherum gesetzt. Eventuell schreibe ich den Namen noch drauf, damit ich in 50 Jahren, wenn ich mir das angucke, noch weiß, wer das ist. Dann habe ich den passenden Stift dazu, der gut haftet und dann gehe ich los.

„Ein Autogramm von Marlene Dietrich kann schon einige hundert Euro bringen“

Was würden Sie schätzen, wie viel Ihre Sammlung wert ist?

Werner: Das kann ich gar nicht sagen. Viele Autogramme haben ja einen persönlichen Wert, die aber auf dem Markt vielleicht gar nichts bringen. Aber ich denke, dass ein Autogramm von Billy Wilder oder Marlene Dietrich schon ein paar hundert Euro einbringen würde.

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Sandra Jütte, Jahrgang 1985, hat schon beim Imperium gearbeitet. Aber keine Sorge: In diesem Fall ist das eine Schauspielagentur in Berlin. Für ihr Studium der Wirtschaftskommunikation zog sie von Niedersachsen in die Bundeshauptstadt, bevor sie für ein Reisemagazin die Straßen Kapstadts erkundete. Dem Lokaljournalismus blieb sie während ihres Volontariats bei der "Märkischen Oderzeitung" in Brandenburg treu. Die Themen waren dort sogar spannender: Sandra schrieb unter anderem über einen entführten Dackel, den Sexshop im 5000-Seelen-Dorf und dreifachen Mord. In ihrer Zukunft sieht sie sich im Online- oder Fernsehjournalismus, denn sie will mehr als nur Print. Schokolade zum Beispiel. Kürzel: sju

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