Beim VRHAM! Festival Anfang Juni stellten internationale Künstler*innen ihre Virtual-Reality-Projekte vor. Die Corona-Pandemie stellt das virtuelle Festival aus Hamburg vor neue Herausforderungen.

Das Virtual-Reality-Art-Festival VRHAM! findet erstmals komplett virtuell statt: Wo für gewöhnlich die Besucher*innen an verschiedenen Ständen in virtuelle Welten eintauchen, sind in diesem Jahr neben dem künstlerischen Leiter des Festivals, Ulrich Schrauth, nur eine Handvoll Mitarbeiter*innen und einige Journalist*innen vor Ort – unter anderem FINK.Hamburg.

Corona fordert auch die virtuelle Welt heraus

Das VRHAM! wurde 2018 in Hamburg ins Leben gerufen. Ganz digital ist das Virtual-Reality-Festival allerdings zum ersten Mal. In den vorherigen Jahren hatte jedes Kunstwerk seine eigene VR-Station. Mit den Brillen konnten Besucher*innen in die Ausstellungsstücke eintauchen. Dafür mussten sie vor Ort im Oberhafenquartier in der HafenCity sein.

FINK.Hamburg-Redakteur Maximilian Kaiser wandert durch virtuelle Welten. Foto: Aylin Ergin

Dieses Jahr steht Ulrich Schrauth allein auf der kleinen Bühne in der Gleishalle im Oberhafen. Seine Gäste werden für Schrauth und die Zuschauer*innen zuhause erst durch VR-Brillen sichtbar.

Die Corona-Pandemie stellte die Festival-Veranstalter*innen vor neue Herausforderungen: Die Gleishalle musste für die rein virtuelle Ausstellung digital nachgebaut werden. Die Besucher*innen benötigten entsprechende VR-Ausrüstung, um auch von dem Sofa aus dabei sein zu können. Zwar keine High-Tech-Brille – ein Google Cardboard und ein Smartphone reichten aus – aber diese technische Hürde hinderte wohl einige daran die VRHAM! virtuell zu besuchen. Immerhin: Bei YouTube konnten Vorträge und Workshops über einen Livestream mitverfolgt werden.

Virtuelle Kunst geht über Grenzen hinaus

Das Erlebnis einer VR-Ausstellung ist nicht mit einem klassischen Museumsbesuch zu vergleichen. „Virtual-Reality-Kunst überschreitet die Grenzen aller herkömmlichen Darstellungsformen von Kunst, denn sie stellt den/die Betrachter*in in den Mittelpunkt und umfängt sie/ihn mit einer eigenen 360-Grad-Welt. Wir sind stolz, diese Kunst in Hamburg zeigen zu können“, sagt Schrauth.  

Ein virtueller Museumsbesuch kann bei manchen Menschen Schwindel oder Übelkeit hervorrufen. Die Orientierung ist für VR-Neulinge gewöhnungsbedürftig. Doch wer sich auf die Kunstwerke der VRHAM! einlässt, kann die ausgestellten Stücke auf eine ganz neue Art kennenlernen.

In dem virtuellen Museum erwarteten die Besucher*innen interaktive digitale Skulpturen, 360°-Filme und virtuelle Welten:

Der Künstler Christian Lemmerz zeigt eine goldene Skulptur von Jesu Christi. Sobald man in der virtuellen Welt näher an sie herantritt, dreht sie einem den Kopf zu, flüßiges Gold rinnt an ihr herab und das Knistern eines Feuers ist zu hören. Man selbst und die Figur sind von vollkommener Dunkelheit umgeben – eine fesselnde Atmosphäre.

Doch die virtuellen Welten fordern auch einen hohen Grad an Aufmerksamkeit: Der 360-Grad-Film Daughters of Chibok erzählt die Geschichte von 276 Schülerinnen, die von der Terrorgruppe Boko Haram 2014 entführt wurden. Der Film versetzt die Zuschauer*innen direkt in das nigerianische Dorf Chibok – der Ort aus dem die Mädchen entführt wurden. Wer nicht in alle Richtungen schaut, läuft Gefahr Teile der Handlung zu verpassen.

They Key nimmt die Betrachter*innen mit auf die Reise in eine Traumwelt der Protagonistin Anna. Die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung. Mit diesem Projekt hat Deline Tricart aus den USA den diesjährigen VRHAMMY Preis gewonnen. Eine internationale Jury kürt ihr VR-Kunstwerk zur besten internationalen VR-Produktion. Das Preisgeld von 5.000 Euro wird mit Unterstützung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius vergeben.

Mehr als 20.000 Besucher*innen

Insgesamt war das VRHAM! 2020 für die Organisator*innen ein Erfolg. Mehr als 20.000 Besucher*innen tauchten in die virtuelle Gleishalle ein. Auf die physische Komponente möchten die Veranstalter*innen künftig aber nicht verzichten. Das Programm könnt ihr noch bis zum 4. August im Museum of Other Realities (MOR) erleben. Seit 2017 gilt das MOR als Schaufenster für VR-Kunst und Plattform für Künstler*innen aus aller Welt.

Im nächsten Jahr soll das VRHAM! seine Türen auch wieder für die reale Welt öffnen. Doch die virtuelle Gleishalle soll zurückkehren, um VR-Begeisterten außerhalb Hamburgs ebenfalls die Möglichkeit zu geben, Teil des Festivals zu sein.

Vorheriger ArtikelDomina-Überfall: Polizei sucht weitere Opfer
Nächster ArtikelGefangene helfen Jugendlichen: Ein Tag in der JVA
Aylin Ergin, Jahrgang 1996, packt regelmäßig die Fluglust - je länger die Strecke, desto besser. Australien wäre noch ein Traumziel. In den USA hat sie fast alle Staaten schon abgeklappert. Auch für die Ausbildung war sie dort und kam mit zwei Bachelorabschlüssen wieder zurück: einen in Broadcasting und einen in Communications. Beim hochschuleigenen TV- und Radiosender war sie unter anderem als Graphic Designer sowie in der Regie tätig und war Mitherausgeberin der Campuszeitung. Ist die Globetrotterin in ihrer Heimat Hamburg, zieht es sie an den Hafen, der Blick auf die Wellen inspiriert sie. Ihre Zukunft sieht Aylin in der PR-Abteilung eines internationalen Industrieunternehmens, am besten eines, das etwas mit Fliegen zu tun hat. Wo auch immer sie landet, Hauptsache ihr Schreibtisch ist aufgeräumt. Bei Chaos kann sie nicht arbeiten. Kürzel: erg
Wenn man Maximilian Kaiser, Jahrgang 1992, in der Bahn mit Kopfhörern trifft, nickt sein Kopf und die Lippen singen mit. Aber bloß keinen Schlager, denn obwohl er am 11.11. geboren ist, hasst er Fasching. Eigentlich wollte er nach seinem Abitur zum Film. Nach abschreckenden Einblicken in die Branche entschied er sich jedoch dafür, in seiner Heimatstadt München Mediadesign zu studieren. Während seines Studiums entdeckte er seine Liebe für die Fotografie, gerne schön nostalgisch analog. Nach seinem Bachelor bereiste er als Junior-PR-Manager einer Firma für Kommunikationstechnologie afrikanische Länder wie den Sudan und Ghana. In Hamburg will er wieder kreativer werden – für FINK.HAMBURG aber auch privat, wenn er mit Kopfhörern und Kamera die Stadt erkundet. Kürzel: mak

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here