Stephan Schad (53), Hamburger Schauspieler, fuhr am Freitagabend friedlich auf seinem Fahrrad über den neuen Pferdemarkt und spielt Trompete, während sich dort Polizei und Demonstranten gegenüberstanden.

Trompete spielen habe ich im Schülertheater gelernt. Das geht auf dem Rad ganz gut mit einer Hand. Ich spiele keine besonders schweren Stücke. Unter anderem die amerikanische Nationalhymne. Aber in ihrer Kurzform. Wenn das ein Amerikaner hört – steinigt der mich wahrscheinlich. Das ist meine Verarschung der Hymne und bedeutet das Gleiche, wie der Spruch auf meinem T-Shirt: „Frump Tuck Off!!!“ Das verstehen einige hier nicht und sind irritiert. Aber das ist nicht schlimm.

Ich finde es sehr schwierig, auf einen Punkt zu bringen, was hier gerade passiert. Hintergrund des G20-Treffens ist, dass vor 20 oder 30 Jahren gemerkt wurde, dass die Vertreter der 19 stärksten Industrienationen sich gar nicht kennen. Und da haben Helmut Schmidt und noch ein paar andere Politiker dafür gesorgt, dass alle mal an einem Tisch sitzen. Deshalb kann man auch nicht unbedingt erwarten, dass bei so einem Treffen etwas rauskommt.

Jetzt sitzt auch noch jemand wie Donald Trump am Tisch. Ich meine, der ist ja geistig retardiert. Wie hat der Philosoph John Cleese im YouTube-Video „Explaning stupidity“ gesagt: „If you are really very very stupid – how can you possible realise that you are?!“ Das ist das Problem mit den Dummen.

Die Entscheidung, dass der Gipfel in Hamburg stattfindet, ist ja schon zwei Jahre alt. Da hat noch kein Mensch damit gerechnet, dass jemand wie Donald Trump US-Präsident wird. Oder dass Erdogan sich in diese extreme Richtung entwickelt. Solche Regierungschefs mobilisieren sehr viele Menschen. Insofern will ich hoffen, dass die das hier irgendwie über die Bühne kriegen.

Ich fahre mit meiner Trompete jetzt einmal um die rote Zone herum, habe ich mir gedacht. Wenn sie mich lassen. Gestern war ich am Atlantic Hotel und habe mich ein bisschen treiben lassen. Da ist Trump sogar an mir vorbeigefahren. Vielleicht hat er ja aus dem Fenster geschaut und mich gesehen.

In der Serie „Humans of G20“ zeigt FINK.HAMBURG Menschen rund um den G20-Gipfel.

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Zu jedem Bier bestellt sich Lesley-Ann Jahn, Jahrgang 1992, einen Strohhalm — der verbessert angeblich den Geschmack. Auch sonst fällt die gebürtige Itzehoerin, die für ihr Germanistik-Studium nach Hamburg gezogen ist, knallharte Urteile in den Szenevierteln. Als Redakteurin für einen Hamburger Zeitschriftenverlag schaute sie zum Beispiel kritisch in die Küchen und auf die Ladentheken der Stadt. Als sie einmal für einen Artikel 30 Tage lang vegan, koffein- und alkoholfrei leben musste, litt sie dabei entsetzlich am Kaffeeentzug. Lesleys Freunde kommen bei ihr in den Genuss von selbstgemachten Kuchen und gesunden Gerichten.