Amerikanische Polizisten arbeiten bereits mit Pre-Crime zur Rasterfahndung.
Amerikanische Polizisten arbeiten bereits mit geheimen Algorithmen zur Rasterfahndung. Foto: Rise And Shine World Sales

Wie wäre es, wenn nicht mehr Menschen auf Verbrecherjagd gehen, sondern intelligente Computerprogramme? Der Dokumentarfilm „Pre-Crime“ zeigt die Realität einer zunehmend vernetzten Überwachungswelt.

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Als im Jahr 2002 der Film „Minority Report“ von Steven Spielberg in die weltweiten Kinos kam, wirkte die Idee, dass eine Polizeiabteilung namens Precrime mittels künstlicher Intelligenz Strafdelikte hervorsagt, wie reine Fiktion. Beinahe bizarr war die Annahme, dass ein Täter schon in der Gegenwart für sein Verbrechen in der Zukunft verurteilt werden kann.

Rund 15 Jahre später scheint unsere Gesellschaft dem „Minority Report“ näher gekommen zu sein. Der vom Hamburger Regisseur Matthias Heeder und der Drehbuchautorin Monika Hielscher produzierte Dokumentarfilm zeigt die Realität einer zunehmend vernetzten Welt. Computersysteme übernehmen immer mehr die Arbeit der Polizei und moralische Bedenken werden der Überwachung mit technischen Mitteln oft untergeordnet.

US-Polizei arbeitet bereits mit der Rasterfahndung

Filmisch wird dieses Thema in „Pre-Crime“ bildgewaltig in Szene gesetzt. Kameraschwenks durch belebte Großstadtpanoramen wechseln sich ab mit dem stetigen Blick von oben: aus Sicht der Überwachungssatelliten.

Neben Frankreich und Deutschland steht vor allem das Geschehen in den USA im Mittelpunkt. Hier arbeitet die Chicago Polizei bereits mit der automatisierten Rasterfahndung. In den Fokus gerät der Kleinkriminelle Robert McDaniel. Er passt genau in das Klischee: Afroamerikaner, Gang-Mitglied und wegen unerlaubten Besitzes von Marihuana auffällig geworden.

Das automatische Präventionssystem Strategic Subject List (SSL) kategorisiert ihn zudem als potentiellen Mörder, der mit 215-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit ein Tötungsdelikt begeht. Bei dieser Einschätzung geht es nicht darum, was die Person in der Vergangenheit verbrochen hat, sondern mit wem sie Kontakt hält. Wie der Algorithmus genau funktioniert, bleibt geheim. McDaniel muss erfahren: Wer einmal auf der Liste steht, wird nicht mehr gestrichen.

Die Filmemacher lassen jedoch auch die Polizei zu Wort kommen. „Das ist einfach sehen und fühlen“, sagt eine deutsche Polizistin, während sie eine verdächtige Person am Münchener Bahnhof kontrolliert. Eine Überwachungskamera hatte einen Fahrraddieb aufgezeichnet, der dieser Person ähnlich sehen soll. Am Ende stellt sich heraus: Es handelt sich um jemand anderen. Das Bedürfnis nach Sicherheit rechtfertige die Mittel.

„Pre-Crime“ wirft viele Fragen auf

Dabei versucht „Pre-Crime“ kein dystopisches Bild einer Parallelwelt zu zeichnen, in der eine Gesellschaft unter die Kontrolle bösartiger Machthaber geraten ist. Vielmehr ist der Dokumentarfilm eine wirklichkeitsnahe Abbildung der technischen Möglichkeiten.

Am Ende lässt der Film den Zuschauer mit vielen Fragen zurück. Wer haftet für die Fehler, welche die Software bei ihrer Erkennung macht? Wie viel Freiheit würden wir aufgeben, um mehr Sicherheit zu bekommen? Und vor allem: Wer kontrolliert die Überwacher?

„Pre-Crime“ wird beim 25. Hamburger Filmfest gezeigt und ist ab dem 17.10.2017 in deutschen Kinos zu sehen.

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