Karl Goldens Film „Bruno“ erzählt die Geschichte des Obdachlosen Daniel, der auf den Straßen Londons lebt. Sein einziger Weggefährte ist sein Hund Bruno. Nach einer Schlägerei ist dieser jedoch verschwunden. Auf der Suche nach ihm findet Daniel etwas Unerwartetes.

Daniel (Diarmaid Murtagh) besitzt nichts mehr. Nachdem der Obdachlose nachts von einer Gruppe Jugendlicher bewusstlos geprügelt wurde, ist sein Hund Bruno verschwunden. Seine Bleibe, ein altes Lagerhaus, wurde verriegelt. An der Tür ein Zettel mit der Aufschrift „Sorry“. Züge und Autos rauschen an ihm vorbei – Daniel ist dem Lärm der Großstadt ausgesetzt. Dann wieder Stille. Und wenn es still wird, wird es laut in Daniels Kopf.

Auf der Suche nach seinem Hund stößt er auf Izzy (Woody Norman), einen kleinen Jungen, der von zu Hause weggelaufen ist. Eine gemeinsame Reise beginnt, bei der Daniel etwas findet, dass er gar nicht suchen wollte.

Zwischen Stille und ohrenbetäubendem Lärm

Immer wieder schlagartige Szenensprünge. Die Stille der Einsamkeit wechselt sich ständig mit dem Lärm der Stadt ab, dem sich Daniel ohne ein Dach über dem Kopf nicht entziehen kann. Mit Izzy möchte ihm niemand wirklich helfen. Im Gegenteil: Vor dem Obdachlosenheim kommt es zum Streit, als er versucht, den Jungen dort unterzubringen.

Obdachlosigkeit ist in England ein großes Problem. London ist davon besonders betroffen. Dem Combined Homelessness and Information Network zufolge lebten 2018 in der Hauptstadt rund 9.000 Menschen auf der Straße. „Bruno“ porträtiert die erschreckende Situation der Betroffenen.

Wo liegt der Hund begraben?

Aus der Innenstadt voller Geschäftsleute und Touristen zum Obdachlosenheim im Osten der Stadt: „Bruno“ schickt die Zuschauer*innen auf eine Reise quer durch London. Die Suche nach dem Hund wird mehr und mehr nebensächlich. Etwas hat Daniel in seine scheinbar ausweglose Situation gebracht. Er beobachtet sein früheres Leben aus sicherer Distanz, meidet aber jegliche Konfrontation damit. Ein in der Gesellschaft verbreitetes Problem, wie Regisseur Karl Golden findet.

„Everybody has a past“

„Bruno“ ist ein Weckruf für eine emotional abgestumpfte Gesellschaft. Obdachlosen begegnen wir meist unbewusst in einer Abwehrhaltung. Wir fühlen Mitleid, haben aber nicht genug Courage, uns mit dem Menschen hinter der Person auseinanderzusetzen. „Everybody has a past“, sagt Ladenbesitzer Malik im Film zu Daniel – und soll damit natürlich Recht behalten. Für die Konfrontation mit Daniels Vergangenheit braucht es dann aber erst Izzys Fähigkeit, vorurteilsfrei zu handeln.

Der Filmperlen Verleih bring „Bruno“ im Frühjahr 2020 ins Kino.

Interview: Karl Golden spricht über Schuld, Vorurteile und seinen Film „Bruno“.

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Jannik Golek, geboren 1994 in Altona, backt Pizza, die sogar Otto Waalkes schmeckt. Der Hamburger mit kroatischen Wurzeln ist nachtaktiv und morgens passiv, was er durch mindestens fünf Becher Kaffee ausgleicht. Überschüssige Energie baute er bei waghalsigen Bungeesprüngen im australischen Regenwald ab. In Hamburg nutzt er sie für Headbanging im Proberaum seiner Metalcore-Band “Call me home”. Nach dem Studium des Bibliotheks- und Informationsmanagements ist er als Frontend-Entwickler in einer Musikagentur tätig. Für diese hat er eine Website für die DJ-Szene umgesetzt und sich um deren Usability gekümmert. In der KFZ-Werkstatt seines Vaters schraubte er schon als Jugendlicher, seitdem ist er fasziniert von allem, was Motoren und Räder besitzt. Wenn sich das Hamburger Schietwetter erbarmt, ist er auf einem seiner beiden Motorräder unterwegs. Kürzel: jag

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