Nach neuen Corona-Regeln kommt nun der Lockdown light. Kultur- und Tourismusbranche sowie Gastronomie sorgen sich um ihre Existenz. Die Sieben-Tages-Inzidenz ist in Hamburg so hoch wie noch nie.

Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen hat sich am Freitag um 410 Fälle erhöht, das gab die Gesundheitsbehörde bekannt. Nach Angaben der Behörde steigt der Sieben-Tage-Wert damit auf 121,8 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Am Mittwoch hatte der Wert noch bei 113,2 gelegen. Erst Montag waren in Hamburg neue Maßnahmen gegen das Coronavirus in Kraft getreten.

Der Leiter des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Stefan Kluge, sieht die starke Zunahme an Infektionen als „absolut besorgniserregend“. In anderen Bundesländern wie Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen würden Covid-19-Patient*innen andere Erkrankte in Kliniken bereits verdrängen.

Lage im Dezember und Januar ist nicht vorhersehbar

Seit Ausbrauch der Pandemie haben sich in Hamburg 12.946 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Derzeit geht die Kurve steil nach oben. Es dauere im Schnitt zehn Tage, bis Patient*innen mit Symptomen auf die Intensivstation verlegt werden müssten, sagt Kluge. Allerdings eigne sich ein Blick auf die vergleichsweise langsam steigende Zahl der Todesopfer nicht, um die aktuelle Lage einzuschätzen. „Wir müssen auf die Zahl der Intensivpatienten gucken. Dann wissen wir, wohin die Reise geht“, sagt Kluge, der Facharzt für Innere Medizin und Lungenheilkunde ist.

Wie die Lage im Dezember und Januar aussehen werde, lasse sich nicht seriös sagen. „Es hängt extrem davon ab, was die Politik entscheidet und wie sich die Menschen jetzt verhalten“, betonte der Leiter der Intensivmedizin am UKE.

Zweiter Lockdown ist existenzbedrohend für Gastronomie

Nicht alle haben Verständnis für die neu beschlossenen Maßnahmen von Bund und Ländern: Hamburger Gastronomen bangen um ihre Existenz. Denn Restaurants, Kneipen und Hotels müssen für einen Monat schließen. Ende Oktober seien nur in Hamburg mehr als 15 Prozent der Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés insolvenzgefährdet. Das besagt laut dpa eine aktuelle Studie.

„Ich bin tief betroffen von diesem zweiten Lockdown für die Gastronomie. Dafür habe ich kein Verständnis, denn unsere Branche ist nicht schuld daran, dass die Zahl der mit Corona-Infizierten Menschen so stark steigt“, sagte „L’Osteria“-Betreiber Dirk Block dem „Hamburger Abendblatt“. Gemeinsam mit TV-Koch Tim Mälzer und weiteren Vertretern der Branche hatte er einen „Brandbrief“ an Angela Merkel geschrieben.

„Finanzieller Totalschaden“ in der Tourismusbranche

Auch der Hamburger Tourismusverband ist über die neuen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie bestürzt. „Der Lockdown light ist für die Tourismuswirtschaft definitiv kein Lockdown light, sondern mehr eine Katastrophe“, sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg, Wolfgang Raike, am Donnerstag.

Angesichts vieler Hygienemaßnahmen in den letzten Monaten sei dies jetzt ein „finanzieller Totalschaden“. Zugleich betonte Raike auch, die versprochene Hilfe höre sich gut an. Zudem seien die Maßnahmen aus gesundheitlichen Gründen unabwendbar, aber für den Tourismus hart, so Raike. Es komme nun darauf an, dass die zugesagten finanziellen Hilfen möglichst schnell und unbüroktratisch ausgezahlt würden.

Anstehende Zwangspause „sehr bitter“ für Kultur

Bundesweit müssen nun Theater, Kinos, Opern und Konzerthäuser wegen der stetig steigenden Infektionszahlen im November wieder schließen. Die zweite Zwangspause dieses Jahr löst bei vielen Kulturschaffenden neben Verständnis auch viel Frustration und Sorge aus.

Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux bezeichnet die anstehende Zwangspause als „sehr bitter“. Dass von dieser Pandemie alle betroffen seien leuchte ein, dennoch stelle sich die Frage, inwieweit Kulturveranstaltungen zu einer Verbreitung der Pandemie beitragen.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) warb um Verständnis für die harten Einschnitte durch den Teil-Lockdown, der vor allem die Kultur- und Gastroszene trifft. „Die Infektionslage in Deutschland ist dramatisch. Deshalb müssen nun die Dinge getan werden, die notwendig sind, um das Infektionsgeschehen möglichst zu brechen“, sagte Brosda am Donnerstag.

Zuletzt konnten die Gesundheitsämter die Infektionsketten bei rund 75 Prozent der Corona-Fälle nicht mehr nachvollziehen. Dass in den übrigen Fällen besonders private Haushalte oder Feiern als Ursprung der Ansteckungen genannt werden, liegt vor allem an der besseren Nachvollziehbarkeit in solchen Fällen.

jos/dpa

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