FINK.HAMBURG-Redakteur Wyn war lange Pumper. Dann sorgte Corona für eine Zwangspause. Nun sind Hamburgs Fitnessstudios wieder geöffnet – aber Wyn wird nicht mehr hingehen. Er schwitzt lieber 20 Minuten mit Pamela Reif.

Seit mehr als einem Jahr heißt es für mich: Burpees statt Bankdrücken, Homeworkout statt Hantelbank. Während des Lockdowns durch die Corona-Pandemie waren sämtliche Fitnessstudios geschlossen. Der Wechsel meiner Sportstätte war also anfangs gezwungenermaßen, mittlerweile will ich gar nicht mehr zurück ins Fitnessstudio – ich schwitze lieber drei bis vier Mal die Woche mit Fitness-Influencerin Pamela Reif.

Wobei es eigentlich irreführend ist zu sagen, dass ich MIT ihr schwitze. Schweiß trieft nach den 20-minütigen Powereinheiten nämlich nur bei mir. Pamelas Make-Up sitzt nach dem Workout fast besser als zuvor. Wie kann das sein? Letztens habe ich extra auf Pause gedrückt, um nochmal genau hinzusehen, aber wirklich: nicht mal der Ansatz eines Schweißtröpfchens perlt von ihrer Stirn.

Immerhin klatscht mir die 24-jährige Videoproduzentin nach dem Workout anerkennend zu. Danke Pam, das fühlt sich echt gut an, das hat im Fitnessstudio jedenfalls noch nie jemand gemacht. Und überhaupt ist eine Trainingseinheit vor dem Laptop besser als jedes Workout im Gym – aus mehreren Gründen:

Eine Oase für Selbstoptimierer:innen

Wäre unsere auf Selbstoptimierung getrimmte Gesellschaft ein Ort, dann das Fitnessstudio. In der Hantelecke stöhnen Muskelprotze in viel zu kleinen Tank-Tops mit viel zu schweren Gewichten, um ihren Körper als letzte Bastion der Männlichkeit zur Schau zu stellen; in der Bauch-Beine-Po-Ecke bestaunen durchtrainierte Fitnessfans in Gym-Shark-Vollmontur ihre Ab-Cracks (Linie in der Bauchmitte, sowas wie das neue Sixpack).

Was die meisten antreibt: besser werden, schöner sein, soziale Anerkennung maximieren, sehen und gesehen werden. Und so gerne ich es auch könnte, auch ich kann mich davon nicht ganz frei machen. Judge me if you want.

Das Schöne am Homeworkout ist, dass der Ort der Selbstinszenierung wegfällt. In zwei unterschiedlichen Socken trainieren? Kein Problem. Ich finde es angenehm, mich nicht ständig mit anderen – wenn auch oft nur unterbewusst – zu vergleichen. Na gut, dass Pamela gar nicht schwitzt, zerrt dann noch ein wenig an meinem Ego.

Das Fitnessstudio ist übrigens auch ein Ort der Besserwisserei. Je größer die Muskeln, desto größer scheint der Eiweißlöffel, mit dem hier Fitnessweisheiten gegessen werden. Pam hingegen redet kein dummes Zeug. Sie macht einfach – und zwar in perfekter Ausführung. Das sage übrigens nicht nur ich als Fan, sondern auch der Sportwissenschaftler und Professor Theodor Stemper:“Aus sportwissenschaftlicher Sicht sind Reifs Videos gut gemacht.“

Alles für lau

Das Beste an meinem neuen Online-Training ist allerdings das Preis-Leistungs-Verhältnis. Pamelas Workouts sind for free und sie erstellt sogar kostenlose Trainingspläne. Ich weiß noch, wie ich mit 18 Jahren völlig übermotiviert von der größten Kante aus meiner Schule einen Trainingsplan gekauft habe – für 100 Euro. So richtig viel gebracht hat es auch nicht. Heute genügt ein Blick in Pamelas Instagram-Story und ich weiß, ob upper body, sexy legs oder happy dance ansteht – was für ein Luxus.

Mittlerweile habe ich so viele Übungen in petto, dass ich mich frage: Wer braucht Gewichte im Fitnessstudio, wenn sich alle Muskelgruppen auch so trainieren lassen? Und auch hier würde mir Professor Stemper sicher zustimmen, dass Training mit dem eigenen Körpergewicht sowieso viel gesünder ist als mit Gewichten.

Manchmal lädt Pamela auch Gäste zu ihren Workouts ein. Letzte Woche stand für mich das „Ab-Killer-Workout“ zusammen mit Sänger und Songschreiber Jason Derulo an. Weiß Gott, wie die zueinander gefunden haben. Nach acht mühsamen Minuten hatte ich zwei Erkenntnisse.

Erstens: Pamela spricht besser Englisch als Muttersprachler Jason Derulo. Damn it, sie ist nicht von dieser Welt.

Zweitens und viel wichtiger: Selbst der durchtrainierte RnB-Star trieft vor Schweiß. Eigentlich hätte der nach Luft schnappende US-Amerikaner schon nach den ersten Burpees ein Sauerstoffzelt gebraucht. Endlich fühlt sich Schwitzen wieder normal an.


Titelbild: Wyn Matthiesen.

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