"1000 Gestalten" bahnen sich den Weg zum Burchardplatz. Foto: Christian Höhnen

Rund 1000 Gestalten in grauer, verkrusteter Kleidung schleichen durch die Hamburger Innenstadt. Dahinter steht die Aktion „1000 Gestalten“. Veranstalter ist der gemeinnützige Kulturverein „Neu am See e.V.“.

Mittwoch, 13.30 Uhr in der U-Bahnstation Messberg. Die Mittagsruhe wird von einem monotonen Klicken durchbrochen. Graue, verkrustete Gestalten schleifen sich durch die Gänge. „Klick, klick, klick…“.

Einige bleiben zwischenzeitlich stehen und starren in die Leere. Ihre Blicke sind melancholisch und ausgelaugt. Schweren Schrittes bahnen sie sich langsam den Weg ans Tageslicht. Wie eine Armee aus Untoten zieht der Zug der Kunstaktion „1000 Gestalten“ durch den Hof des Chilehauses.

Die Personen sollen für eine Gesellschaft stehen, „die sich ihrer Hilflosigkeit vor den komplexen Zusammenhängen der Welt ergeben hat und nur noch für das eigene Vorankommen kämpft“, sagen die Veranstalter. Ihr Ziel ist es, vor dem G20-Gipfel ein „Zeichen für ein neues Miteinander“ zu setzen. „Eine selbstbewusste Zivilgesellschaft, die sich kritisch, aber konstruktiv und ideenreich mit dem Gipfel auseinandersetzt“, heißt es weiter. Eine weitere Botschaft: „Wir alle müssen aufwachen“.

Bildergalerie der 1000 Gestalten

Einige krümmen sich scheinbar vor völliger Erschöpfung auf die Straße und bleiben liegen. Während sich immer mehr Gestalten versammeln, raubt das Klicken den Passanten den Atem.

„Das Klicken ist die Stimme, alle haben die gleiche Stimme“, erklärt eine Ordnerin. Währenddessen versammeln sich die Gestalten sich am Burchardplatz.

1000 Gestalten versammeln sich am Burchardplatz.
Foto: Lesley-Ann Jahn

Das Aufwachen beginnt. Als Höhepunkt schütteln sich die Gestalten ihren grauen Schleier von Haut und Haaren ab und reißen sich Kleiderschichten vom Laib. Dies wirkt nicht nur wie eine optische Befreiung, sondern ein Entfesseln der Seele.

Aus dem monotonen Schleichen werden tanzende Bewegungen. Aus dem Klicken wird schallendes Lachen. Die Gestalten strahlen in bunten Farben und liegen sich glückseelig in den Armen. Die Organisatoren weinen Freudentränen.

Anmerkung: Mitgetragen wurde die Aktion vom Gängeviertel Hamburg und mehreren Hamburger Kulturinstitutionen.

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Ines Timm, Jahrgang 1989, hat schon einmal mitten in einem Gewitter einen Mastbruch überstanden. Die begeisterte Seglerin stammt aus einer Seefahrerfamilie, sie liebt das Meer, würde aber nie eine Kreuzfahrt machen. Geboren ist sie in Brunsbüttel, nach dem Abitur absolvierte sie in Flensburg eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau. Danach studierte sie an der FH Flensburg BWL mit Schwerpunkt Marketing. Nach dem Bachelor arbeitete sie in unterschiedlichen Werbeagenturen, unter anderem bei Scholz & Friends, und betreute Kampagnen für namhafte Kunden wie Siemens oder das Bundesverkehrsministerium. Als ehrenamtliches Mitglied unterstützt sie mit ihrer Expertise in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing den Kulturlotse Hamburg e.V.
Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.
Christina Höhnen, Jahrgang 1992, hat schon einmal den echten Weihnachtsmann getroffen. Der wohnt in Lappland, wohin sie während ihres Auslandssemesters in Finnland reiste. Die restliche Studienzeit verbrachte sie in Mittweida. Dort machte sie ihren Bachelor in Medienmanagement und leitete ein Jahr lang Deutschlands einzigen von Studenten geführten Lokalradiosender. Für den Umzug nach Sachsen tauschte sie Riesling gegen Pfeffi ein – Christina wuchs umgeben von Weinbergen in einem Moseldorf nahe Trier auf. Für Praktika bei einer Shopping-Vergleichs-App und bei fischerAppelt, relations zog sie nach Hamburg. Hier joggt sie am Liebsten durch Planten un Blomen und hört dabei Trash der 90er.