G20 Protest Camp
Ole Plogstedt engagiert sich für das Aktionsbündnis attac und hat das Camp im Altonaer Volkspark angemeldet. Foto: Christina Höhnen

Ole (46), TV-Koch, wohnt in Hamburg

FINK.HAMBURG: Was hat dich in das Protest-Camp im Altonaer Volkspark geführt?

Ole Plogstedt: Ich habe eher die Leute hingeführt, denn ich habe das Ganze angemeldet. Wir wollen schlafend gegen das Schlafverbot der Polizei demonstrieren. Das Ganze war sehr spontan, ich bekam erst am Vortag die Anfrage von einem Freund, ob ich mein Gesicht für die Anmeldung hinhalte, damit das „Sleep-in“ schneller organisiert werden kann. Ich habe als TV-Koch eine Prominenz, die uns für die Mobilisierung von Campern weiterhelfen konnte. Wir haben 250 Zelte angemeldet, aber nur zwei Großzelte wurden gestattet. Nun hat uns die Polizei vorgeschlagen, zehn Schlafzelte stehen zu lassen. Nichts mit Freund und Helfer, es ist eine Farce.

Was stört dich am Gipfel?

Mich stört diese Scheinheiligkeit an der ganzen Sache. Die deutschen Politiker betonen immer wieder, wie demokratisch unser Staat doch sei und wie stolz wir auf unseren freiheitlichen Lebensstil sein könnten. Gleichzeitig laden sie Despoten ein, die ihre Bevölkerung unterdrücken und Journalisten einsperren. Nach dem Motto: Flüchtlinge raus und Trump rein. Mich stört außerdem, dass hier alle Demonstranten unter Generalverdacht gestellt werden. Genau das tut auch Trump mit seinem Muslim Ban. Durch diese Aktionen verliert unsere Hansestadt – die ich bis vor wenigen Tagen als sehr liberal empfunden haben – die Berechtigung auf die Bezeichnung „frei“.

Wie sehen die nächsten Tage für dich aus?

Ich werde demonstrieren. Wo und wann bleibt noch offen.

Denkst du, dass es zu Ausschreitungen kommen wird?

Natürlich reisen Krawallos an und einige werden die nächsten Tage für politische Zwecke missbrauchen. Die meisten Demonstranten sind meiner Meinung nach aber nicht auf Stress aus. Ich sehe das Problem eher in gezielten Provokationen seitens der Polizei. Durch Aktionen wie in Entenwerder wird die Stimmung aufgeheizt und Auseinandersetzungen regelrecht provoziert. Dann beginnen auch pazifistisch eingestellte Menschen sich zu wehren. Dadurch gehen die wirklichen Themen, wie die Schere zwischen Arm und Reich oder der faire Handel, unter.

Wem würdest du gerne einmal deine Meinung sagen?

Ganz klar: Bürgermeister Olaf Scholz. Er reißt dieses Event an sich und vergleicht es mit Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag. Obendrein gibt er offen zu, dass er selbst nicht denkt, dass dort große Entscheidungen getroffen werden. Lächerlich.

Was ist dein Wunsch für G20?

Ich wünsche mir, dass es zu keiner Eskalation kommt und die wichtigen Themen im Fokus stehen.

In der Serie „Humans of G20“ zeigt FINK.HAMBURG Menschen rund um den G20-Gipfel.

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Christina Höhnen, Jahrgang 1992, hat schon einmal den echten Weihnachtsmann getroffen. Der wohnt in Lappland, wohin sie während ihres Auslandssemesters in Finnland reiste. Die restliche Studienzeit verbrachte sie in Mittweida. Dort machte sie ihren Bachelor in Medienmanagement und leitete ein Jahr lang Deutschlands einzigen von Studenten geführten Lokalradiosender. Für den Umzug nach Sachsen tauschte sie Riesling gegen Pfeffi ein – Christina wuchs umgeben von Weinbergen in einem Moseldorf nahe Trier auf. Für Praktika bei einer Shopping-Vergleichs-App und bei fischerAppelt, relations zog sie nach Hamburg. Hier joggt sie am Liebsten durch Planten un Blomen und hört dabei Trash der 90er.
Lisa-Marie Eichhorn, Jahrgang 1989, schläft besonders gut ein, wenn auf dem Bildschirm „Ultimate Fighting“ läuft. Sie kommt aus der Nähe von Stuttgart und interessiert sich für eine Vielzahl von Themen, von Deutschrap bis Stadtpolitik. Studiert hat sie an der Universität Hamburg, und zwar Deutsche Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Medien und Theater. Sie hat schon für Medien von „Bild“ bis „Tagesschau“ gearbeitet. Damit finanziert sie das, was sie am liebsten ständig macht: ausgedehnte Reisen.