Das Gesetz lässt sich am besten durchsetzen, wenn man sich selbst nicht mehr daran hält. Mit diesem Rückschluss lässt einen der Fernsehfilm „Das Gesetz sind wir“ von Markus Imboden zurück, in dem zwei Streifenpolizist*innen die Hauptrolle spielen.

Bremen. Bahnhofsviertel. In einer Passage schläft ein Obdachloser auf Pappkartons, umringt von einer Gruppe Jugendlicher. Einer hält seinem Kumpel ein Feuerzeug hin: „Zünd mal an!“. Der kniet sich hin und hält die Flamme gegen die Pappe. In diesem Moment kommen zwei Streifenpolizisten vorbei: Die Beamtin Maja Witt (Julia Koschitz) tritt das Feuer aus, ihr Kollege Klaus Burck (Aljoscha Stadelmann) bricht dem Anführer der Gruppe die Nase. So werden die beiden Protagonisten aus „Das Gesetz sind wir“ von Regisseur Markus Imboden vorgestellt.

Gewalt gehört zum beruflichen Alltag der beiden Streifenpolizist*innen. Witt und Burck bewegen sich in einer Welt, in der schwere Körperverletzung, Drogenhandel und weitere Strafdelikte Normalität sind. Sie werden beleidigt, bedroht und belogen. Verhaftete Kleinkriminelle, die ihre Personalausweise regelmäßig „verloren“ haben, sind am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß.

„Eigentlich ist es doch egal, ob wir hier Streife laufen oder nicht. Am Ende sind wir doch Die gearschten.“ – Klaus burck

Das Gesetz ist nicht gerecht – so die Konklusion des Films. Frustriert von diesem Umstand überschreitet auch das Beamtenteam seine Grenzen. Als sich herausstellt, das der Junge mit dem Nasenbeinbruch der Sohn des Oberhaupts eines bekannten arabischen Clans ist und Rache nehmen will, verstricken sich Witt und Burck in einem Netz aus Kriminalität und Korruption.

Ahmed Issa (Rauand Taleb) und Klaus Burck (Aljoscha Stadelmann) stehen sich gegenüber.
Die Schlüsselszene aus „Das Gesetz sind wir“. Ahmed Issa (Rauand Taleb) und Klaus Burck (Aljoscha Stadelmann) stehen sich gegenüber. Foto: Michael Ihle

Das Gesetz sind wir

Rechtfertigt ein Zweck die Mittel? Das ist eine Frage, die Regisseur Imboden in seinem Film verhandelt. Seine Protagonisten in Uniform wollen richtig handeln und glauben keine andere Wahl zu haben.

Dokumentenfälschung, Vereitelung von Beweismitteln, Morddrohungen – die Liste an Straftaten, die Witt und Burck begehen, wird immer länger. Mit ihrem trockenen Humor sind die beiden trotzdem sympatisch. Für ihre Missetaten werden sie sogar noch belohnt und „Vorzeigepolizisten“ genannt. Die Moral: Das Gesetz lässt sich am besten durchsetzen, wenn man sich selbst nicht mehr daran hält und eigene Maßstäbe setzt.

Der Freund und Helfer

Der Film vereinfacht, indem er die Welt in Gut und Böse einteilt. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen. Das drückt sich auch über die verwendeten Ausdrücke aus: In „Das Gesetz sind wir“ sprechen Gut und Böse die gleiche Sprache. „Wenn du das bei dem Prozess anders sagst, dann knipsen wir dir das Licht aus“, drohen beide Seiten dem gleichen Zeugen.

Über die an mehreren Stellen vorhersehbare Erzählung und stereotypischen Darstellungen kann man hinwegsehen. „Das Gesetz sind wir“ ist unterhaltsam und die „Vorzeigepolizisten“ verfolgen in „Ocean’s Two“-Manier ihren Coup. Julia Koschitz und Aljoscha Stadelmann tragen den Film als überzeugendes Duo.

Der satirische Unterton verharmlost jedoch die brutalen Szenen. Vor allem seit Polizeigewalt in Deutschland ein Thema ist. Zudem wurde vor fünf Monaten in Hamburg ein schlafender Obdachloser angezündet. Mit diesen Themen setzt sich der Film nur oberflächlich auseinander.

Der ZDF-Film feierte beim Filmfest Hamburg 2019 Premiere. Ein Ausstrahlungstermin ist noch nicht bekannt.

Vorheriger ArtikelIsland als Wimmelbild
Nächster ArtikelAmi Dose und ihre Hamburger Tafel
Kim Staudt, Jahrgang 1996, hasst Hasskommentare. Als Werkstudentin in der Online-Redaktion der “FAZ” moderierte sie Leserkommentare und las dabei mehr Scheußlichkeiten als ihr lieb war. Es war ein harter Wechsel: Kurz davor hatte sie in der Redaktion von “InStyle” noch Kisten voller Designerstücke aus Mailand, Paris und New York durchwühlt und beim Onlinemagazin “GQ” live über die Wahl zum “Mann des Jahres” gebloggt. Ihr Lieblingsroman ist “Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde, “Die Leiden des jungen Werthers” las sie im Garten des Goethe-Hauses in Frankfurt. Natürlich durfte es auch für das Germanistik- und Amerikanistikstudium nur die dortige Goethe-Universität werden. Am liebsten mag sie Filme mit Plot Twist - und Serien mit F: “Fargo”, “Friends” und modern “Family”. Kürzel: kis