Die größte Leinwand Deutschlands, goldene Tapeten und schwere braune Ledersessel: Nicht nur die Filme sind beim Filmfest ein Highlight, auch die Kinos sind sehenswert. FINK.HAMBURG stellt die fünf Hauptkinos und ihre Geschichte vor. 

Die Geschichte des Filmfests in Hamburg reicht bis in die 50er Jahre zurück. Noch älter sind die Kinos, in denen die Filme laufen. Vom ehemaligen Parkhaus bis zum Gebäude mit meterhoher Fassade aus Glas: FINK.HAMBURG hat sich die Hauptkinos angeschaut, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Studio-Kino

Durch einen Umbau entstand 1929 aus einer ehemaligen Spiegelfabrik das frühere Lichtburg-Kino in der Bernstorffstraße. Das Kino überstand unbeschadet den Krieg, musste jedoch anfang der sechziger Jahre aus finanziellen Gründen schließen. Auch andere Hamburger Bezirkskinos wie das Luxor Filmtheater Blankenese und das Kurbel am Nobistor mussten aufgeben, als das Fernsehen in den Wohnzimmern angekommen war. Der Besitzer machte aber aus den Räumlichkeiten des Lichtburg-Kinos keine Filiale einer Supermarktkette, sondern beließ das Gebäude in seinem Originalzustand und schützte es vor dem Verfall.

Das Kino wurde mehrfach geschlossen und wiedereröffnet. Seit 2011 ist das Studio Kino ein Programmkino und zeigt anspruchsvolle und politische Filme. In unmittelbarer Nähe zur Sternschanze, Altona und St. Pauli können Filmbegeisterte vor oder nach dem Film noch auf den ein anderen Drink losziehen.

Studio-Kino, Bernstorffstraße 93-95, 22767 Hamburg
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Metropolis

Etwas versteckt, unmittelbar neben der Hamburger Staatsoper am Gänsemarkt, liegt das Metropolis Kino. 1952 unter dem Namen „Dammtor Theater“ eröffnet, wurde das Kino 27 Jahre später in „Metropolis“ umbenannt. Der denkmalgeschützte Kinosaal wurde vor dem Abriss des alten Gebäudes abgetragen und eingelagert. Bis zu 270 Zuschauer finden in dem Saal mit Empore Platz. Große Menschen sollten sich Filme mit Überlänge allerdings gut überlegen:“Nichts für Leute mit langen Beinen“, schreibt ein Google-Rezensent.

Das Metropolis zeigt Arthouse-Produktionen fernab vom Kommerz. Damit dürfte es eher eine Anlaufstelle für anspruchsvolle Cineast*innen sein. Abseits der klassischen Filmvorführungen laufen im Metropolis auch Stummfilme mit Live-Musikbegleitung und Erstaufführungen internationaler Filme in Originalfassung.

Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg
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Cinemaxx Dammtor

Schon aus der vorbeifahrenden S-Bahn können Fahrgäste die hochragende gläserne Fassade des Cinemaxx am Dammtor-Bahnhof sehen. 1996 eröffnet, gehört es zum Kinounternehmen Cinemaxx Holdings GmbH, das insgesamt 33 Kinos in Deutschland und Dänemark betreibt. In den 70er und 80er setzte die Kinoindustrie auf winzige Räume, sogenannte Schachtelkinos. Bei den Bauarbeiten war der Saal 1 des Cinemaxx Dammtor deshalb der größte Saalneubau Deutschlands. Das Kino beeindruckt nicht nur mit der Zahl von insgesamt acht Kinosälen, sondern auch mit der Größe der Leinwand: 264 Quadratmeter misst sie in Saal 1 und ist damit die größte Cinemaxx-Leinwand Deutschlands.

Durch die Größe und die zentrale Lage des Kinos mitten in Hamburg fanden hier bereits zahlreiche Deutschlandpremieren statt. Und wenn keine Stars auf dem roten Teppich sind, können die Kinobesucher*innen sie auf der Leinwand in 3D oder 4K bewundern.

CinemaxX Hamburg-Dammtor, Dammtordamm 1, 20354 Hamburg
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Nächster Halt: #Kino mit #Tarantino. @cinemaxx

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Passage Kino

Mitten auf der Einkaufsmeile liegt das eher unscheinbare Passage Kino. Im ältesten Kino Hamburgs tritt man von der trubeligen Straße in einen Raum mit goldenen Tapeten, schweren braunen Ledersesseln und hochpolierten schwarzen Säulen. Art Déco mit Geschichte: Bereits 1913 lief der erste Stummfilm über die Leinwand des Passage Kinos, 1925 wurde das Kino für Tonfilme ausgestattet. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die britischen Besatzungsmächte das Kino, bis es 1951 wieder an die Stadt fiel. In den Folgejahren renovierten die Betreiber es mehrfach: Aus einem großen Saal wurden zwei, dann drei. Nachdem das Kino 2009 wegen einer Mieterhöhung schließen musste, ist es seit 2010 unter Betreiber Heinz Lochmann wieder in Betrieb.

Kein Saal gleicht dem anderen, jeder ist individuell und mit viel Liebe zum Detail ausgestaltet. Im „Hanse Kino 2“ etwa wurden 12.000 Nieten in Handarbeit an die Wand angebracht. Der kleinste Saal hat gerade einmal 35 Plätze. Viele Teile des Kinos aus der Anfangszeit sind erhalten geblieben.

Neben dem Mainstream laufen im Passage Kino auch Special-Interest-Filme und Kulturfilme. Dabei liegt der Schwerpunkt europäischen Produktionen. Neben klassischen Filmvorführungen zeigt das Kino auch Liveübertragungen von Opern und Kunstausstellungen.

Passage Kino, Mönckebergstraße 17, 20095 Hamburg
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#passagekinohamburg #cinema #thegreenbook

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Abaton

Wo früher Autos parkten, flimmern heute Filme über die Leinwand. 1970 bauten Werner Grassmann und Winfried Fedder das Parkhaus zu einem der ältesten Programmkinos Deutschlands um: Im Abaton können Besucher*innen Filme abseits des Mainstreamkinos ansehen. Vor acht Jahren verlieh Europa Cinema dem Kino einen Preis für das beste europäische Programm.

Auch heute bietet das Kino am Grindelhof ein sehr breit gefächertes Programm: von großen Hollywood-Produktionen bis zu europäischem Arthaus-Kino in Originalfassung. Und wer schon beim Betreten des Kinos etwas entdecken möchte, muss im Eingangsbereich genauer hinsehen. Dort verzierte der deutsche Künstler Werner Nöfer 1970 einige Wandflächen mit seinen Malereien.

Abaton, Allende-Platz 3, 20146 Hamburg
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Luise Reichenbach, Jahrgang 1994, hat vier Vornamen, nutzt aber keinen davon. Die Hamburgerin legt sich nicht gerne fest: Sie zog von Hamburg nach Bayern, wechselte von Wirtschaft zur Kommunikationswissenschaft und redet mal über Schrotträder, mal über moderne Malerei. Im Zweitfach studierte Lissy Kunstgeschichte und lernte beim deutschen Cocktailmeister den perfekten Whiskey Sour zu mixen. Bei Scholz & Friends in Berlin arbeitete sie unter anderem für Amnesty International, Mercedes und Vodafone. Für Montblanc organisierte sie Messen für die neuen Kollektionen in ihrer Heimatstadt Hamburg. Am Wochenende steht sie im Schanzenviertel am Kickertisch oder klappert mit ihrem Rad die Flohmärkte ab, immer auf der Suche nach seltenen Bildern oder neuem Lesestoff. Kürzel: lr
Jannik Golek, geboren 1994 in Altona, backt Pizza, die sogar Otto Waalkes schmeckt. Der Hamburger mit kroatischen Wurzeln ist nachtaktiv und morgens passiv, was er durch mindestens fünf Becher Kaffee ausgleicht. Überschüssige Energie baute er bei waghalsigen Bungeesprüngen im australischen Regenwald ab. In Hamburg nutzt er sie für Headbanging im Proberaum seiner Metalcore-Band “Call me home”. Nach dem Studium des Bibliotheks- und Informationsmanagements ist er als Frontend-Entwickler in einer Musikagentur tätig. Für diese hat er eine Website für die DJ-Szene umgesetzt und sich um deren Usability gekümmert. In der KFZ-Werkstatt seines Vaters schraubte er schon als Jugendlicher, seitdem ist er fasziniert von allem, was Motoren und Räder besitzt. Wenn sich das Hamburger Schietwetter erbarmt, ist er auf einem seiner beiden Motorräder unterwegs. Kürzel: jag