Die Islamische Revolution erschüttert den Iran. Mittendrin eine deutsch-iranische Familie, die sich doch eigentlich nur nach Freiheit sehnt. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und ist von welthistorischer Relevanz.

Das Jahr 1979 ist gerade angebrochen. Der iranische Dissident Omid steht in der Abendsonne auf dem Flachdach seiner Wohnung in Ost-Berlin und horcht gebannt dem Radio. Dann springt er auf, reißt die Arme in die Luft. „Der verdammte Schah ist weg. Iran wird ein freies Land sein“, schreit er, fällt seiner Frau in die Arme, tanzt mit ihr und singt auf Persisch.

Omid geht zurück in seine Heimat nach Teheran. Seine Frau, die deutsche Chemikerin Beate, folgt mit der achtjährigen Tochter Sarah. Aus Liebe und in der Hoffnung, endlich ein freies Familienleben zu führen. Der anfängliche Optimismus der jungen Familie ist aber schnell verpufft. Von den Häuserfassaden blickt grimmig das Konterfei des Atajollahs. Nach dem Ende der Monarchie kommt der Führer 1979 zurück ins Land, verspricht Freiheit und Wohlstand, erschafft aber einen islamistischen Gottesstaat.

Das historische Filmdrama „Morgen sind wir frei“ von Regisseur Hossein Pourseifi beruht auf wahren Begebenheiten. Anhand von Einzelschicksalen und versehen mit Originalaufnahmen aus dem Iran der späten Siebzigerjahre, erzählt es eine tragische Geschichte.

Nichts ist wichtiger als der Koran

Das Leben in Teheran unterscheidet sich sehr von dem in Berlin: Die achtjährige Tochter soll mit Kopftuch zur Schule gehen. Hausaufgaben müssen warten, nichts ist wichtiger als der Koran. Männer schlagen Frauen. Schüsse fallen auf den Straßen, Iraker lassen Bomben auf die Stadt fallen. „Ein Gott, der glaubt, er kann meine Tochter in die Hölle schicken, verdient es nicht, angebetet zu werden“, sagt Beate zu ihrem Mann. Sie will zurück, er will bleiben. Eine Debatte erübrigt sich. Ihre Tochter darf nicht ausreisen. Sie ist nun laut Gesetz Iranerin.

Reza Brojerdi in der Rolle des Omid und Katrin Röver, die Beate spielt, sind nahbare Charaktere. Ihre Zerrissenheit zwischen den zwei Kulturen ist zu spüren. Die Beziehung reduziert sich immer weiter auf Rechtfertigungen: „Hier macht man das halt so“, sagt Omid. Das Gefühl von Orientierungslosigkeit wird immer stärker: „Diese Erde ist wunderschön, aber sie ist nicht meine Heimat“. Und alles stützt sich auf die ewig anhaltende Hoffnung: Morgen sind wir frei.

Irgendwann beschleicht sie das Gefühl: Ein Morgen wird es vielleicht nie geben.

„Ich habe das Ende des Frühlings nicht kommen sehen“

Das Regiedebüt von Pourseifi ist eine dramatische Geschichte, die nicht überzeichnet. Früh ahnt man, worauf sie hinauslaufen wird. Trotzdem baut sich unentwegt eine Spannung auf.

Untermalt von pathetischer Geigenmusik wirkt es, als nähere sich eine dunkle, bedrohliche Wolkenwand, die alles verschlucken wird. „Ich habe das Ende des Frühlings nicht kommen sehen“, sagt die Hauptdarstellerin zu Beginn des Films. Am Ende macht das alles einen Sinn. Sie dachte schließlich, dass sie morgen frei ist.

„Morgen sind wir frei“ läuft am 2. Oktober auf dem Filmfest Hamburg. Das Passage-Kino in der Mönckebergstraße zeigt den Film um 19 Uhr.

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Harald Schmidt hat 1995 gesagt, dass Kinder nur noch Max, Paul oder Leonard heißen. „Namen wie blank geputzte Holztische“. Zu diesem Zeitpunkt war Max Paul Leonard Nölke seit zwei Monaten auf der Welt. Der Dortmunder Knirps teilt mit seinen Namensvettern Hobbys wie Fußball, Musik hören und Freunde treffen. Soweit, so blank geputzt. Markanter ist Max‘ Schreibe. Der herbe Ruhrpott-Schlag gepaart mit seinem Feingefühl brachten ihn in die Redaktionen der Dortmunder “Ruhr Nachrichten” und der Berliner “taz”. In Marburg hat er Sprache und Kommunikation studiert, kann auf Italienisch einen Ramazzotti bestellen und auf Niederländisch eine Frikandel Speciaal. Am liebsten sind ihm aber die Kohlrouladen von Mama. Irgendwann will er mal mit Olli Schulz ein Fischbrötchen verspeisen. Der ist sowieso lustiger als Harald Schmidt. Kürzel: max