Jahresrückblick 2018 Grafik: Jana Trietsch
Grafik: Jana Trietsch

Vom roten Teppich bis zur Moskitofalle: Die FINK.HAMBURG-Redaktion schaut auf das Jahr zurück. Ein heißer Sommer, der Abstieg des HSV und reichlich politische Bewegung haben die letzten zwölf Monate in Hamburg geprägt.

„Privat eines der geilsten Jahre meines Lebens, weltpolitisch eines der schlimmsten, die ich je erlebt habe“, sagt eine Hamburgerin bei unserer kurzen Umfrage in der Hamburger Innenstadt. Woran sich die Leute noch erinnern? Natürlich den heißen Sommer 2018.

In der FINK.HAMBURG-Redaktion war ein Highlight des letzten Jahres die Wahl zum Jugendwort des Jahres. „Ehrenfrau“ und „Ehrenmann“ war da schon in unserem Wortschatz angekommen. Wenn ihr eure Sprache upgraden wollt, findet ihr freshe Anregungen im Quiz.

Politik

Bewegung an der Hamburger Regierungsspitze: Olaf Scholz geht 2018 nach Berlin, seit März ist ein Mann neuer Erster Bürgermeister Hamburgs, dessen Name anfangs für einige Knoten in der Zunge sorgte: Peter Tschentscher.

Außerdem schaute am Jahresende die Nation nach Hamburg, als hier die „Ära Merkel“ auf dem CDU-Parteitag im Dezember endete. Die Bundeskanzlerin stellte sich nicht erneut als Parteivorsitzende zur Wahl, Nachfolgerin wurde Annegret Kramp-Karrenbauer.

Ein Dauerbrenner und auch in diesem Jahr im Fokus: die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Zusammen mit dem Recherchenetzwerk Correctiv haben wir uns gefragt, wem die Satdt gehört und Hamburger mit einer 360-Grad-Kamera in ihren Wohnung besucht. Die Ergebnisse findet ihr auf der FINK.HAMBURG-Facebook-Seite.

Hier seht ihr die Wohnung von Lene:

Mangelnder Wohnraum, aufstrebende Viertel und ungewöhnliche Lösungen für den Mietwahnsinn waren ebenfalls Themen der Kooperation.

2019 werden wir erfahren, was das umstrittene Dieselfahrverbot auf der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße für Hamburg bewirkt hat. Die News sorgte zumindest im Mai bei unseren Tickerredakteuren für rauchende Köpfe.

Zwar gab es 2018 keinen G20-Gipfel in Hamburg, dafür hat die Aufarbeitung der Strafanzeigen begonnen. Fahndungsfotos erschienen und die ersten Prozesse gegen mutmaßliche Randalierer begannen – inzwischen haben einige G20-Gegner die Stadt Hamburg verklagt.

Demonstriert wurde auch ohne G20: Anfang September gingen über 10.000 Menschen gegen die „Merkel muss weg“-Kundgebung auf die Straße. Ende September folgte die „United against Racism“-Demo mit über 20.000 Hamburgerinnen und Hamburgern.

Ebenfalls ein wichtiges Ereignis: Das Frauenwahlrecht wurde 100 Jahre alt. Redakteurin Vivien Valentiner hat mit der Verfassungsrichterin Doris König über Frauen in der Politik, Quoten und Angela Merkel gesprochen.

Kultur

Würden wir in der Redaktion darüber abstimmen, was unser kulturelles Highlight 2018 war, läge das Hamburger Filmfest sicher auf Platz Eins. Zehn Tage lang standen wir am roten Teppich, besuchten Premieren und interviewten Kinobesucher, Schauspieler sowie Regisseure.

Das hat Spuren hinterlassen: So sprechen wir seitdem vom neuen Film von Damien Chazelle, wenn wir „Aufbruch zum Mond“ meinen. Und während in den sozialen Medien gerade alle die Netflix-Produktion „Roma“ abfeiern oder zerreißen, lehnen wir uns in den Ohrensessel, weil wir die ja schon im Oktober beim Filmfest gesehen haben.

Ballindamm, Ballinstadt, Ballinkai und 2018 auch noch das große Ballinjahr in Hamburg. Thoya Urbach und Lennart Albrecht haben sich zum 100. Todestag von Albert Ballin auf die Spuren eines berühmten Hamburger Reeders begeben. 

Der Spotify-Jahresrückblick der Redaktion war ernüchternd bis leicht peinlich: „Échame la culpa“ von Luis Fonsi und Demi Lovato war der meist gehörte Track der Fink-Redaktion. Ob der Newsroom nachts zur Zumba-Party-Location umfunktioniert wurde, bleibt ein Geheimnis.

Apropos Musik: FINK.HAMBURG-Redakteur Björn Rohwer, studierter Musikwissenschaftler und Chorknabe, erklärt, wieso die 187 Straßenbande jüngst so gehyped wurde, weshalb für das Ed Sheeran-Konzert Büsche auf der Trabrennbahn beseitigt wurden und warum Touristengruppen beim Jazzkonzert in der Elbphilharmonie für Empörung sorgten:

Wissenschaft

In eigener Sache: Von der Claussen-Simon-Stiftung hat unser Projekt zur Forschung über Drohnenjournalismus eine Förderung bekommen. Wir freuen uns auf erste Flugversuche und Blicke auf Hamburgs Dächer. Mit der Fördersumme soll an der HAW Hamburg ein DrohnenLab entstehen, um die Fluggeräte bei der täglichen Redaktionsarbeit und in interdisziplinären Praxisprojekten einzusetzen.

Fipronil-Skandalerneuerbare Energien und Nachhaltigkeitswoche – wenn wir für unsere Beiträge wissenschaftliches Expertenwissen brauchten, rufen wir die Kollegen am HAW-Campus Bergedorf an. Die Uni Hamburg feiert im nächsten Jahr ihren hundertsten Geburtstag. Dieses Jahr hat sie den Zuschlag für vier Exzellenzcluster bekommen. Damit können Forschungen im Bereich Klimaforschung, Photonen- und Nanowissenschaften, Mathematik und Physik sowie Manuskriptforschung umgesetzt werden.

Ziemlich gut sind die Studierenden dort aber jetzt schon: Eine Forschungsgruppe der Uni Hamburg hat dieses Jahr mit einer ziemlich coolen Erfindung einen renommierten Wettbewerb am MIT in Boston gewonnen: einer quasi unkaputtbaren Moskitofalle. Lukas Gebhard hat zwei Studierende des Projekts getroffen.

Sport

Vom Sportjahr 2018 wird man noch lange reden: Zum ersten Mal stieg der Hamburger SV aus der Bundesliga ab und erstmalig flog die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft raus. Das Trauerspiel verfolgten und analysierten Ted Koob, Björn Rohwer und Tobias Zuttmann in ihrem WM-Podcast.

Also ein historisch schlechtes Sportjahr? Von wegen: Hamburger Sportler waren äußerst erfolgreich. Tennisspieler Alexander Zverev gewann mit gerade mal 21 Jahren die ATP-Finals, eines der wichtigsten Tennisturniere überhaupt – als erster Deutscher seit Boris Becker 1995. Das Beachvolleyball-Duo Julius Thole und Clemens Wickler gewann überraschend in ihrer ersten gemeinsamen Saison die Deutsche Meisterschaft. Torben Johannesen holte mit seinen Rudererkollegen den Weltmeistertitel mit dem Deutschland-Achter und wurde zum zweiten Mal in Folge Hamburgs Sportler des Jahres.

Offizieller Post zur Absage des Schwimmens beim IRONMAN Hamburg
Foto: IRONMAN Germany/Facebook

Die sportlichen Großveranstaltungen in Hamburg liefen glatt – auch wenn die Veranstalter ab und zu etwas Kreativität beweisen mussten. Die Hitze sorgte für Blaualgen in der Alster und machte damit beim Iron Man die 3,8 Kilometer Schwimmen unmöglich. Dafür wurde eine sechs Kilometer lange Laufrunde ergänzt, danach ging es für die Sportler 180 Kilometer aufs Rad, bevor sie den abschließenden Marathon liefen.

Großer Abschied am Rothenbaum: Michael Stich organisierte das Tennisturnier nach zehn Jahren zum letzten Mal. „Es war eine fantastische Zeit. Es bleiben nur gute Erinnerungen“, sagte er bei der Gala zu Hamburgs Sportlern des Jahres.

Der Hamburg-Marathon zeigte mal wieder, wie sportverrückt die Stadt ist: 10.000 Läufer kämpften sich vor mehr als 700.000 Zuschauern ins Ziel. Das Event war damit erneut einer der zuschauerstärksten Läufe der Welt.

Die Rollstuhlbasketball-WM fand 2018 in Wilhelmsburg statt. Eine Vorzeigesportart für Inklusion: Behinderte und Nicht-Behinderte spielen zusammen. Das deutsche Team holte Bronze. Doch das war nicht der einzige Erfolg des Behindertensports, sagt Ted Koob in seinem Radio-Beitrag.

Podcasts

Die Redakteure Ted Koob, Tobias Zuttmann und Björn Rohwer stellten in ihrem WM-Podcast „Das Magische Dreieck“ die Gegner der deutschen Nationalmannschaft sowohl sportlich als auch kulinarisch vor.

In „Aus dem Nest“ stellen Redakteurinnen und Redakteure ihre aktuellen Beiträge vor und sprechen mit Amelie Rolfs und Nadine von Piechowski über ihre Recherche.

In „A Merry Podcast“ beleuchten Paula Loske-Burkhardt und Thoya Urbach an jedem Adventssonntag ein weihnachtliches Thema.
Kritisch mit Medien setzt sich der Podcast „Fink about Media“ von Jana Trietsch, Anika Schnücke und Luisa Höppner auseinander.

Gute Nachrichten

Damit ihr das neue Jahr mit einem positiven Gefühl beginnt, hier noch ein paar Good News aus 2018:

Nachhaltigkeit 

Dieses Jahr wurde plötzlich nicht mehr nur geredet, sondern auch endlich etwas getan. Die EU beschloss ein Gesetz, das Einwegplastik in Form von Geschirr, Besteck und Strohhalmen verbieten soll. Auf dem Hamburger Berg wurden schon die ersten Makkaronie-Trinkhilfen gesichtet…

Immer mehr Modelabels verzichteten auf Echtpelz. Die London Fashion Week gab Designern eine Plattform, die nachhaltig und fair produzieren. Das Thema ist auch in Hamburg gesetzt: FINK.HAMBURG berichtete über ein Startup für nachhaltige Mode und sprach mit einer HAW-Absolventin darüber, ob Verleihen auch bei großen Modekonzernen eine Alternative zu Fast Fashion sein kann.

Mitte des Jahres wurde die Naturbewusstseinstudie 2017 veröffentlicht. Und die macht Hoffnung: Das Bewusstsein der Deutschen steigt. Spätestens seit diesem Sommer, in dem man schon im Mai Trägertops statt Friesennerz trug, haben wohl auch die letzten verstanden, dass der Klimawandel real ist.

Sexuelle Selbstbestimmung

In Hamburg wurde ein Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung gegründet. Und auch die Abschaffung des Paragraphen 219a aus dem Strafgesetzbuch wird im Bundestag diskutiert. Der Passus verbietet Ärztinnen und Ärzten, für Schwangerschaftsabbrüche zu werben, wobei das schlichte Bereitstellen von Informationen auf der Website einer Praxis schon zur Abmahnung führen kann. Auch in Irland verändert sich die Stimmung: Zwei Drittel stimmten bei einer Volksabstimmung dafür, die bisher sehr strengen Regeln zu lockern.

Das Beste kommt zum Schluss

Wir hoffen, dass euch unser Jahresrückblick mit 38 Verlinkungen genug Lesestoff für die Feiertage liefert. Und jetzt: Tschüss 2018! Wir lesen uns im neuen Jahr.

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Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl
Vivien Valentiner, Jahrgang 1993, hält es selten lange im Sitzen aus: Dann drückt nämlich ihr Extra-Rückenwirbel und die ihr ebenfalls angeborene Neugierde. „Irgendwas mit Medien“ wollte Vivien deswegen schon als Jugendliche machen. Nach ersten journalistischen Gehversuchen bei Lokalzeitungen hospitierte sie beim NDR und der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und saß im Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland. Vivien stammt aus Lübeck, in Lüneburg hat sie Wirtschaftspsychologie und Digitale Medien studiert. Mit ihrem Umzug nach Hamburg bleibt sie Hansestädten treu, probiert aber darüber hinaus gerne unterschiedliche Dinge aus: Sie hat schon Ballett und Rock’n‘Roll getanzt, Schlagzeug und Theater gespielt. Kürzel: viva
Jana Trietsch, Jahrgang 1992, weiß, warum Michel aus Lönneberga in Wirklichkeit Emil heißt. Die gebürtige Darmstädterin verbrachte im Rahmen ihres Medienkulturwissenschaften- und Psychologiestudiums zwei Semester im schwedischen Uppsala und kann seitdem die Bücher ihrer Kindheit in Originalsprache lesen. Nach dem Studium lernte Jana in der Lokalredaktion des „Darmstädter Echos“ ihre Heimat neu kennen. Es folgten PR-Praktika in Stockholm und Berlin im Mode- und Lifestylebereich, die Jana eine Redakteursstelle im Brand Marketing bei Zalando einbrachten. Nebenher schreibt sie als freie Autorin für „Mit Vergnügen“ und „Refinery29“ über Kultur, Mode und Millennials. Manchmal denkt sie dabei an ihren früheren Traum: eine wöchentliche Kolumne, geschrieben in einem roten Ferienhaus in Småland. jt
Tobias Zuttmann, Jahrgang 1995, ist als Kind so heftig in eine Glastür gelaufen, dass er darin steckengeblieben ist. Heute bewältigt er lieber einen Halbmarathon. Nach dem Ressortjournalismus-Studium im fränkischen Ansbach absolvierte er eine Reihe von Praktika, unter anderem beim WDR, ZDF und „Kicker“. Am längsten blieb er bei ProSiebenSat.1 in der Redaktion der Sportsendung „ran“, denn auf Sport liegt auch im Journalismus sein Fokus. Anschließend folgte die Übernahme als freier Mitarbeiter. Wenn Tobias nicht gerade auf Weltreise ist, kann man ihn während der Football-Saison im ICE auf der Strecke Hamburg-München antreffen, wenn „ran“ wieder mal nach einem kompetenten Sportbericht verlangt. Dafür zeigt er vollen Einsatz: Für acht Stunden Arbeit fährt er innerhalb eines Tages zwölf Stunden Zug. Kürzel: tz

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